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Friedrich Nietzsche
Par-delà bien et mal Bloc b0059
Bloc 59 sur 302
Référence canonique b0059
Allemand
58. Hat man wohl beachtet, in wiefern zu einem eigentlich religiösen Leben (und sowohl zu seiner mikroskopischen Lieblings-Arbeit der Selbstprüfung, als zu jener zarten Gelassenheit, welche sich „Gebet“ nennt und eine beständige Bereitschaft für das „Kommen Gottes“ ist) der äussere Müssiggang oder Halb-Müssiggang noth thut, ich meine der Müssiggang mit gutem Gewissen, von Alters her, von Geblüt, dem das Aristokraten-Gefühl nicht ganz fremd ist, dass Arbeit schändet, - nämlich Seele und Leib gemein macht? Und dass folglich die moderne, lärmende, Zeit-auskaufende, auf sich stolze, dumm-stolze Arbeitsamkeit, mehr als alles Übrige, gerade zum „Unglauben“ erzieht und vorbereitet? Unter Denen, welche zum Beispiel jetzt in Deutschland abseits von der Religion leben, finde ich Menschen von vielerlei Art und Abkunft der „Freidenkerei“, vor Allem aber eine Mehrzahl solcher, denen Arbeitsamkeit, von Geschlecht zu Geschlecht, die religiösen Instinkte aufgelöst hat: so dass sie gar nicht mehr wissen, wozu Religionen nütze sind, und nur mit einer Art stumpfen Erstaunens ihr Vorhandensein in der Welt gleichsam registriren. Sie fühlen sich schon reichlich in Anspruch genommen, diese braven Leute, sei es von ihren Geschäften, sei es von ihren Vergnügungen, gar nicht zu reden vom „Vaterlande“ und den Zeitungen und den „Pflichten der Familie“: es scheint, dass sie gar keine Zeit für die Religion übrig haben, zumal es ihnen unklar bleibt, ob es sich dabei um ein neues Geschäft oder ein neues Vergnügen handelt, - denn unmöglich, sagen sie sich, geht man in die Kirche, rein um sich die gute Laune zu verderben. Sie sind keine Feinde der religiösen Gebräuche; verlangt man in gewissen Fällen, etwa von Seiten des Staates, die Betheiligung an solchen Gebräuchen, so thun sie, was man verlangt, wie man so Vieles thut - , mit einem geduldigen und bescheidenen Ernste und ohne viel Neugierde und Unbehagen: - sie leben eben zu sehr abseits und ausserhalb, um selbst nur ein Für und Wider in solchen Dingen bei sich nöthig zu finden. Zu diesen Gleichgültigen gehört heute die Überzahl der deutschen Protestanten in den mittleren Ständen, sonderlich in den arbeitsamen grossen Handels- und Verkehrscentren; ebenfalls die Überzahl der arbeitsamen Gelehrten und der ganze Universitäts-Zubehör (die Theologen ausgenommen, deren Dasein und Möglichkeit daselbst dem Psychologen immer mehr und immer feinere Räthsel zu rathen giebt). Man macht sich selten von Seiten frommer oder auch nur kirchlicher Menschen eine Vorstellung davon, wie viel guter Wille, man könnte sagen, willkürlicher Wille jetzt dazu gehört, dass ein deutscher Gelehrter das Problem der Religion ernst nimmt; von seinem ganzen Handwerk her (und, wie gesagt, von der handwerkerhaften Arbeitsamkeit her, zu welcher ihn sein modernes Gewissen verpflichtet) neigt er zu einer überlegenen, beinahe gütigen Heiterkeit gegen die Religion, zu der sich bisweilen eine leichte Geringschätzung mischt, gerichtet gegen die „Unsauberkeit“ des Geistes, welche er überall dort voraussetzt, wo man sich noch zur Kirche bekennt. Es gelingt dem Gelehrten erst mit Hülfe der Geschichte (also nicht von seiner persönlichen Erfahrung aus), es gegenüber den Religionen zu einem ehrfurchtsvollen Ernste und zu einer gewissen scheuen Rücksicht zu bringen; aber wenn er sein Gefühl sogar bis zur Dankbarkeit gegen sie gehoben hat, so ist er mit seiner Person auch noch keinen Schritt weit dem, was noch als Kirche oder Frömmigkeit besteht, näher gekommen: vielleicht umgekehrt. Die praktische Gleichgültigkeit gegen religiöse Dinge, in welche hinein er geboren und erzogen ist, pflegt sich bei ihm zur Behutsamkeit und Reinlichkeit zu sublimiren, welche die Berührung mit religiösen Menschen und Dingen scheut; und es kann gerade die Tiefe seiner Toleranz und Menschlichkeit sein, die ihn vor dem feinen Nothstande ausweichen heisst, welchen das Toleriren selbst mit sich bringt. - Jede Zeit hat ihre eigene göttliche Art von Naivetät, um deren Erfindung sie andre Zeitalter beneiden dürfen: - und wie viel Naivetät, verehrungswürdige, kindliche und unbegrenzt tölpelhafte Naivetät liegt in diesem Überlegenheits-Glauben des Gelehrten, im guten Gewissen seiner Toleranz, in der ahnungslosen schlichten Sicherheit, mit der sein Instinkt den religiösen Menschen als einen minderwerthigen und niedrigeren Typus behandelt, über den er selbst hinaus, hinweg, hinauf gewachsen ist, - er, der kleine anmaassliche Zwerg und Pöbelmann, der fleissig-flinke Kopf- und Handarbeiter der „Ideen“, der „modernen Ideen“!
Anglais Traduction générée par IA, non officielle
Codex gpt-5.6-sol · Traduction de travail non officielle · 2026-09-13
58. Has sufficient attention been paid to the extent to which a genuinely religious life requires outward leisure or semi-leisure, both for its favorite microscopic labor of self-examination and for that delicate serenity called “prayer,” which is a constant readiness for the “coming of God”? I mean leisure with a good conscience, inherited from of old and in the blood, to which the aristocratic feeling that work disgraces is not wholly foreign, namely that it makes soul and body common. And consequently, that modern industriousness, noisy, devouring time, proud of itself, stupidly proud, educates and prepares people for “unbelief” more than anything else? Among those who now live apart from religion in Germany, for example, I find people of many kinds and origins of “free thought,” but above all a majority whose industriousness, from generation to generation, has dissolved the religious instincts, so that they no longer know what use religions are and merely register their presence in the world with a kind of dull astonishment. These worthy people already feel sufficiently occupied, whether by their business or their pleasures, not to mention the “fatherland,” the newspapers, and the “duties of the family.” It seems that they have no time left at all for religion, especially since it remains unclear to them whether it is a new business or a new pleasure, for, they tell themselves, one cannot possibly go to church merely to spoil one’s good humor. They are not enemies of religious observances. If participation in such observances is demanded in certain cases, perhaps by the state, they do what is demanded, as one does so many things, with patient and modest seriousness and without much curiosity or discomfort. They simply live too far apart and outside to find even a For or Against in such matters necessary within themselves. Today the great majority of German Protestants in the middle classes belong among these indifferent people, particularly in the industrious great centers of trade and commerce; likewise the great majority of industrious scholars and the entire university apparatus (excepting the theologians, whose existence and possibility there give the psychologist ever more numerous and ever subtler riddles to solve). Pious people, or even merely churchgoing people, seldom have any notion of how much goodwill, one might say arbitrary will, is now required for a German scholar to take the problem of religion seriously. His whole craft (and, as I have said, the craftsmanlike industriousness to which his modern conscience obliges him) inclines him toward a superior, almost benevolent cheerfulness regarding religion, into which there is sometimes mixed a slight contempt directed at the “uncleanness” of spirit that he presupposes wherever people still profess allegiance to the Church. Only with the aid of history, and thus not from his personal experience, does the scholar succeed in attaining a reverent seriousness and a certain timid consideration toward religions. But even when he has raised his feeling to the point of gratitude toward them, he has personally come not one step nearer to what still exists as church or piety, perhaps the reverse. The practical indifference toward religious matters into which he was born and educated usually sublimates itself in him into a cautiousness and cleanliness that shuns contact with religious people and things. It may be precisely the depth of his tolerance and humanity that bids him evade the subtle predicament that tolerating itself entails. Every age has its own divine kind of naivety, for whose invention other ages may envy it. And how much naivety, venerable, childlike, and boundlessly doltish naivety, lies in this scholar’s belief in his own superiority, in the good conscience of his tolerance, in the unsuspecting, simple certainty with which his instinct treats the religious person as an inferior and lower type, beyond whom he himself has grown, past and upward: he, the little presumptuous dwarf and man of the rabble, the diligently nimble worker with head and hand in “ideas,” in “modern ideas”!
Français Traduction générée par IA, non officielle
Codex gpt-5.6-sol · Traduction de travail non officielle · 2026-09-13
58. A-t-on bien remarqué combien une vie véritablement religieuse (aussi bien pour son travail favori, microscopique, d’examen de soi, que pour cette délicate sérénité qui se nomme « prière » et qui est une disponibilité constante à la « venue de Dieu ») exige le loisir extérieur ou le demi-loisir, je veux dire le loisir avec bonne conscience, hérité des ancêtres, inscrit dans le sang, auquel n’est pas tout à fait étranger le sentiment aristocratique que le travail déshonore, c’est-à-dire rend communs l’âme et le corps ? Et que, par conséquent, l’activité moderne, bruyante, dévoreuse de temps, fière d’elle-même, stupidement fière, éduque et prépare, plus que toute autre chose, précisément à l’« incroyance » ? Parmi ceux qui, en Allemagne par exemple, vivent aujourd’hui à l’écart de la religion, je trouve des hommes de toutes sortes et de toutes origines de « libre pensée », mais surtout une majorité de gens chez qui l’activité laborieuse, de génération en génération, a dissous les instincts religieux : si bien qu’ils ne savent même plus à quoi servent les religions et ne font pour ainsi dire qu’enregistrer leur présence dans le monde avec une sorte d’étonnement obtus. Ces braves gens se sentent déjà amplement accaparés, soit par leurs affaires, soit par leurs plaisirs, sans même parler de la « patrie », des journaux et des « devoirs de famille » : il semble qu’il ne leur reste absolument aucun temps pour la religion, d’autant qu’ils ne voient pas clairement s’il s’agit là d’une nouvelle affaire ou d’un nouveau plaisir, car il est impossible, se disent-ils, que l’on aille à l’église uniquement pour se gâter la bonne humeur. Ils ne sont pas ennemis des usages religieux ; si, dans certains cas, l’État par exemple exige que l’on prenne part à de tels usages, ils font ce que l’on exige, comme on fait tant de choses, avec un sérieux patient et modeste, sans grande curiosité ni malaise : ils vivent justement trop à l’écart et au-dehors pour éprouver eux-mêmes le besoin de prendre parti pour ou contre en ces matières. À ces indifférents appartient aujourd’hui la très grande majorité des protestants allemands des classes moyennes, particulièrement dans les grands centres industrieux du commerce et des échanges ; également la très grande majorité des savants laborieux et tout le personnel universitaire (à l’exception des théologiens, dont l’existence et la possibilité mêmes en ces lieux donnent au psychologue des énigmes toujours plus nombreuses et toujours plus subtiles à résoudre). Les personnes pieuses, ou seulement attachées à l’Église, se représentent rarement toute la bonne volonté, on pourrait dire toute la volonté arbitraire, qu’il faut aujourd’hui à un savant allemand pour prendre au sérieux le problème de la religion ; par tout son métier (et, comme je l’ai dit, par l’activité laborieuse d’artisan à laquelle l’oblige sa conscience moderne), il incline envers la religion à une gaieté supérieure, presque bienveillante, à laquelle se mêle parfois un léger mépris visant la « malpropreté » de l’esprit qu’il présuppose partout où l’on se réclame encore de l’Église. Ce n’est qu’avec l’aide de l’histoire (et non à partir de son expérience personnelle) que le savant parvient à témoigner aux religions un sérieux respectueux et une certaine considération craintive ; mais, même lorsqu’il a élevé son sentiment jusqu’à la gratitude envers elles, il ne s’est personnellement rapproché d’un seul pas de ce qui subsiste encore comme Église ou piété : peut-être est-ce le contraire. L’indifférence pratique à l’égard des choses religieuses, dans laquelle il est né et a été élevé, se sublime ordinairement chez lui en prudence et en souci de pureté, qui redoutent le contact avec les hommes et les choses de religion ; et ce peut être précisément la profondeur de sa tolérance et de son humanité qui lui commande d’éviter la délicate détresse qu’entraîne l’acte même de tolérer. Toute époque possède sa propre espèce divine de naïveté, invention que les autres âges sont en droit de lui envier : et que de naïveté, de naïveté vénérable, enfantine et infiniment balourde, se trouve dans cette croyance du savant à sa supériorité, dans la bonne conscience de sa tolérance, dans la simple assurance, ingénue et sans soupçon, avec laquelle son instinct traite l’homme religieux comme un type inférieur et subalterne, au-delà duquel lui-même a grandi, qu’il a dépassé et surmonté, lui, le petit nain présomptueux et homme de la populace, l’ouvrier de tête et de main, assidu et prompt, des « idées », des « idées modernes » !
Concepts de ce passage
Soin de l’âme
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Courage
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Éternel retour
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Famille
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Généalogie des valeurs
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Impressions et assentiment
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Mode
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Enquête perspectiviste
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Pauvreté et richesse
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Ressentiment
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Dépassement de soi
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Péché
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Guerre et paix
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Volonté de puissance
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Sagesse
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