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Friedrich Nietzsche
The Case of Wagner Block b0016
Block 17 of 17
Canonical reference b0016
German
Epilog. - Entziehen wir uns zuletzt, um aufzuathmen, für einen Augenblick der engen Welt, zu der jede Frage nach dem Werth von Personen den Geist verurtheilt. Ein Philosoph hat das Bedürfniss, sich die Hände zu waschen, nachdem er sich so lange mit dem „Fall Wagner“ befasst hat. - Ich gebe meinen Begriff des Modernen. - Jede Zeit hat in ihrem Maass von Kraft ein Maass auch dafür, welche Tugenden ihr erlaubt, welche ihr verboten sind. Entweder hat sie die Tugenden des aufsteigenden Lebens: dann widerstrebt sie aus unterstem Grunde den Tugenden des niedergehenden Lebens. Oder sie ist selbst ein niedergehendes Leben, - dann bedarf sie auch der Niedergangs-Tugenden, dann hasst sie Alles, was aus der Fülle, was aus dem Überreichthum an Kräften allein sich rechtfertigt. Die Aesthetik ist unablöslich an diese biologischen Voraussetzungen gebunden: es giebt eine décadence-Aesthetik, es giebt eine klassische Aesthetik, - ein „Schönes an sich“ ist ein Hirngespinst, wie der ganze Idealismus. - In der engeren Sphäre der sogenannten moralischen Werthe ist kein grösserer Gegensatz aufzufinden, als der einer Herren-Moral und der Moral der christlichen Werthbegriffe: letztere, auf einem durch und durch morbiden Boden gewachsen ( - die Evangelien führen uns genau dieselben physiologischen Typen vor, welche die Romane Dostoiewsky’s schildern), die Herren-Moral („römisch“, „heidnisch“, „klassisch“, „Renaissance“) umgekehrt als die Zeichensprache der Wohlgerathenheit, des aufsteigenden Lebens, des Willens zur Macht als Princips des Lebens. Die Herren-Moral bejaht ebenso instinktiv, wie die christliche verneint („Gott“, „Jenseits“, „Entselbstung“ lauter Negationen). Die erstere giebt aus ihrer Fülle an die Dinge ab - sie verklärt, sie verschönt, sie vernünftigt die Welt - , die letztere verarmt, verblasst, verhässlicht den Werth der Dinge, sie verneint die Welt. „Welt“ ein christliches Schimpfwort. - Diese Gegensatzformen in der Optik der Werthe sind beide nothwendig: es sind Arten zu sehen, denen man mit Gründen und Widerlegungen nicht beikommt. Man widerlegt das Christenthum nicht, man widerlegt eine Krankheit des Auges nicht. Dass man den Pessimismus wie eine Philosophie bekämpft hat, war der Gipfelpunkt des gelehrten Idiotenthums. Die Begriffe „wahr“ und „unwahr“ haben, wie mir scheint, in der Optik keinen Sinn. - Wogegen man sich allein zu wehren hat, das ist die Falschheit, die Instinkt-Doppelzüngigkeit, welche diese Gegensätze nicht als Gegensätze empfinden will: wie es zum Beispiel Wagner’s Wille war, der in solchen Falschheiten keine kleine Meisterschaft hatte. Nach der Herren-Moral, der vornehmen Moral hinschielen ( - die isländische Sage ist beinahe deren wichtigste Urkunde - ) und dabei die Gegenlehre, die vom „Evangelium der Niedrigen“, vom Bedürfniss der Erlösung, im Munde führen!… Ich bewundere, anbei gesagt, die Bescheidenheit der Christen, die nach Bayreuth gehn. Ich selbst würde gewisse Worte nicht aus dem Munde eines Wagner aushalten. Es giebt Begriffe, die nicht nach Bayreuth gehören… Wie? ein Christenthum, zurechtgemacht für Wagnerianerinnen, vielleicht von Wagnerianerinnen - denn Wagner war in alten Tagen durchaus feminini generis - ? Nochmals gesagt, die Christen von heute sind mir zu bescheiden… Wenn Wagner ein Christ war, nun dann war vielleicht Liszt ein Kirchenvater! - Das Bedürfniss nach Erlösung, der Inbegriff aller christlichen Bedürfnisse hat mit solchen Hanswursten Nichts zu thun: es ist die ehrlichste Ausdrucksform der décadence, es ist das überzeugteste, schmerzhafteste Ja-sagen zu ihr in sublimen Symbolen und Praktiken. Der Christ will von sich loskommen. Le moi est toujours haïssable. - Die vornehme Moral, die Herren-Moral, hat umgekehrt ihre Wurzel in einem triumphirenden Ja-sagen zu sich, - sie ist Selbstbejahung, Selbstverherrlichung des Lebens, sie braucht gleichfalls sublime Symbole und Praktiken, aber nur „weil ihr das Herz zu voll“ ist. Die ganze schöne, die ganze grosse Kunst gehört hierher: beider Wesen ist Dankbarkeit. Andrerseits kann man von ihr nicht einen Instinkt-Widerwillen gegen die décadents, einen Hohn, ein Grauen selbst vor deren Symbolik abrechnen: dergleichen ist beinahe ihr Beweis. Der vornehme Römer empfand das Christenthum als foeda superstitio: ich erinnere daran, wie der letzte Deutsche vornehmen Geschmacks, wie Goethe das Kreuz empfand. Man sucht umsonst nach werthvolleren, nach nothwendigeren Gegensätzen…*) - Aber eine solche Falschheit, wie die der Bayreuther, ist heute keine Ausnahme. Wir kennen alle den unästhetischen Begriff des christlichen Junkers. Diese Unschuld zwischen Gegensätzen, dies „gute Gewissen“ in der Lüge ist vielmehr modern par excellence, man definirt beinahe damit die Modernität. Der moderne Mensch stellt, biologisch, einen Widerspruch der Werthe dar, er sitzt zwischen zwei Stühlen, er sagt in Einem Athem Ja und Nein. Was Wunder, dass gerade in unsern Zeiten die Falschheit selber Fleisch und sogar Genie wurde? dass Wagner „unter uns wohnte“? Nicht ohne Grund nannte ich Wagner den Cagliostro der Modernität… Aber wir Alle haben, wider Wissen, wider Willen, Werthe, Worte, Formeln, Moralen entgegengesetzter Abkunft im Leibe, - wir sind, physiologisch betrachtet, falsch… Eine Diagnostik der modernen Seele - womit begönne sie? Mit einem resoluten Einschnitt in diese Instinkt-Widersprüchlichkeit, mit der Herauslösung ihrer Gegensatz-Werthe, mit der Vivisektion vollzogen an ihrem lehrreichsten Fall. - Der Fall Wagner ist für den Philosophen ein Glücksfall, - diese Schrift ist, man hört es, von der Dankbarkeit inspirirt…
English AI-generated translation, non-official
Codex gpt-5.6-sol · Non-official working translation · 2026-09-13
Epilogue. Finally, in order to breathe freely, let us withdraw for a moment from the narrow world to which every question concerning the value of persons condemns the spirit. A philosopher feels the need to wash his hands after having concerned himself for so long with the “case of Wagner.” I offer my concept of the modern. Every age, in its measure of strength, also possesses a measure of which virtues are permitted to it and which are forbidden. Either it has the virtues of ascending life: then it resists, from its deepest foundations, the virtues of declining life. Or it is itself a declining life, and then it also requires the virtues of decline, then it hates everything that can be justified only by fullness, only by a superabundance of forces. Aesthetics is inseparably bound to these biological presuppositions: there is an aesthetics of décadence, there is a classical aesthetics; a “beautiful in itself” is a chimera, like the whole of idealism. In the narrower sphere of so-called moral values, no greater opposition can be found than that between a master morality and the morality of Christian value-concepts: the latter grown upon thoroughly morbid soil (the Gospels present us with precisely the same physiological types depicted in Dostoevsky’s novels), master morality (“Roman,” “pagan,” “classical,” “Renaissance”), by contrast, as the sign-language of sound constitution, of ascending life, of the will to power as the principle of life. Master morality affirms just as instinctively as Christian morality negates (“God,” “beyond,” “de-selfing,” all negations). The former bestows upon things from its fullness, it transfigures, beautifies, rationalizes the world; the latter impoverishes, pales, makes ugly the value of things, it negates the world. “World” is a Christian term of abuse. These opposing forms in the optics of value are both necessary: they are ways of seeing that cannot be reached with reasons and refutations. One does not refute Christianity, one does not refute a disease of the eye. That pessimism was combated as though it were a philosophy was the culmination of scholarly idiocy. The concepts “true” and “untrue” have, as it seems to me, no meaning in optics. The one thing against which one must defend oneself is falseness, the instinctive double-dealing that refuses to feel these opposites as opposites: as was, for example, Wagner’s will, which possessed no small mastery of such falsities. To cast sidelong glances at master morality, at noble morality (the Icelandic saga is almost its most important document), while mouthing the contrary doctrine, that of the “gospel of the lowly,” of the need for redemption!... I admire, incidentally, the modesty of the Christians who go to Bayreuth. I myself could not bear certain words from the mouth of a Wagner. There are concepts that do not belong in Bayreuth... What? A Christianity made to suit female Wagnerians, perhaps by female Wagnerians, for in his old age Wagner was altogether feminini generis?... Let me say it once more, the Christians of today are too modest for me... If Wagner was a Christian, well then, perhaps Liszt was a Father of the Church! The need for redemption, the epitome of all Christian needs, has nothing to do with such buffoons: it is the most honest form of expression of décadence, it is the most convinced, most painful saying of Yes to it in sublime symbols and practices. The Christian wants to escape from himself. Le moi est toujours haïssable. Noble morality, master morality, by contrast, has its root in a triumphant saying of Yes to oneself; it is self-affirmation, the self-glorification of life; it likewise requires sublime symbols and practices, but only “because its heart is too full.” All beautiful art, all great art, belongs here: the essence of both is gratitude. On the other hand, one cannot subtract from it an instinctive aversion toward the décadents, a mockery, even a horror of their symbolism: such things are almost its proof. The noble Roman felt Christianity as foeda superstitio: I recall how the last German of noble taste, Goethe, felt about the cross. One seeks in vain for more valuable, more necessary oppositions...*) But a falseness such as that of the Bayreuthians is no exception today. We all know the unaesthetic concept of the Christian Junker. This innocence amid opposites, this “good conscience” in lying, is rather modern par excellence; one could almost define modernity by it. The modern human being represents, biologically, a contradiction of values; he sits between two stools, he says Yes and No in a single breath. What wonder that precisely in our times falseness itself became flesh and even genius? That Wagner “dwelt among us”? Not without reason did I call Wagner the Cagliostro of modernity... But all of us, against our knowledge, against our will, have within our bodies values, words, formulas, moralities of opposing origins; considered physiologically, we are false... A diagnosis of the modern soul, where would it begin? With a resolute incision into this instinctive contradictoriness, with the extraction of its opposing values, with vivisection performed upon its most instructive case. The case of Wagner is a stroke of good fortune for the philosopher; this work, one hears it, is inspired by gratitude...
French AI-generated translation, non-official
Codex gpt-5.6-sol · Non-official working translation · 2026-09-13
Épilogue. Pour finir, afin de respirer, arrachons-nous un instant au monde étroit auquel toute question sur la valeur des personnes condamne l’esprit. Un philosophe éprouve le besoin de se laver les mains après s’être si longtemps occupé du « cas Wagner ». Je donne ma conception du moderne. Chaque époque possède, dans sa mesure de force, une mesure aussi des vertus qui lui sont permises et de celles qui lui sont interdites. Ou bien elle possède les vertus de la vie ascendante : alors elle répugne, dans son tréfonds, aux vertus de la vie déclinante. Ou bien elle est elle-même une vie déclinante : alors elle a aussi besoin des vertus du déclin, alors elle hait tout ce qui ne se justifie que par la plénitude, par la surabondance des forces. L’esthétique est indissociablement liée à ces présupposés biologiques : il existe une esthétique de la décadence, il existe une esthétique classique ; un « beau en soi » est une chimère, comme l’idéalisme tout entier. Dans la sphère plus étroite des prétendues valeurs morales, on ne saurait trouver de plus grand antagonisme que celui d’une morale des maîtres et de la morale des valeurs chrétiennes : cette dernière a poussé sur un sol morbide de part en part (les Évangiles nous présentent exactement les mêmes types physiologiques que décrivent les romans de Dostoïevski) ; la morale des maîtres (« romaine », « païenne », « classique », « Renaissance ») est au contraire le langage symbolique de la constitution réussie, de la vie ascendante, de la volonté de puissance comme principe de la vie. La morale des maîtres affirme aussi instinctivement que la morale chrétienne nie (« Dieu », « au-delà », « dessaisissement de soi », autant de négations). La première répand sur les choses quelque chose de sa plénitude, elle transfigure, elle embellit, elle rend le monde raisonnable ; la seconde appauvrit, fait pâlir, enlaidit la valeur des choses, elle nie le monde. « Monde », une injure chrétienne. Ces formes antagonistes dans l’optique des valeurs sont toutes deux nécessaires : ce sont des manières de voir contre lesquelles les raisons et les réfutations ne peuvent rien. On ne réfute pas le christianisme, on ne réfute pas une maladie de l’œil. Que l’on ait combattu le pessimisme comme une philosophie fut le comble de l’idiotie savante. Les concepts de « vrai » et de « faux » n’ont, me semble-t-il, aucun sens en optique. La seule chose contre laquelle il faille se défendre, c’est la fausseté, la duplicité instinctive qui refuse de ressentir ces antagonismes comme tels : telle fut, par exemple, la volonté de Wagner, qui possédait dans de telles faussetés une maîtrise non négligeable. Lorgner du côté de la morale des maîtres, de la morale noble (la saga islandaise en est presque le document le plus important), tout en ayant à la bouche la doctrine contraire, celle de « l’Évangile des humbles », du besoin de rédemption !… J’admire, soit dit en passant, la modestie des chrétiens qui vont à Bayreuth. Pour ma part, je ne supporterais pas certaines paroles dans la bouche d’un Wagner. Il est des concepts qui n’ont pas leur place à Bayreuth… Quoi ? un christianisme accommodé pour les wagnériennes, peut-être par des wagnériennes, car Wagner, dans ses vieux jours, était tout à fait feminini generis ?… Je le répète, les chrétiens d’aujourd’hui sont trop modestes à mon goût… Si Wagner était chrétien, eh bien, Liszt était peut-être un Père de l’Église ! Le besoin de rédemption, quintessence de tous les besoins chrétiens, n’a rien à voir avec de tels bouffons : il est la forme d’expression la plus honnête de la décadence, il est le oui le plus convaincu, le plus douloureux qu’on lui adresse dans des symboles et des pratiques sublimes. Le chrétien veut se défaire de lui-même. Le moi est toujours haïssable. La morale noble, la morale des maîtres, s’enracine au contraire dans un oui triomphant que l’on s’adresse à soi-même : elle est affirmation de soi, glorification de soi par la vie ; elle a également besoin de symboles et de pratiques sublimes, mais seulement « parce qu’elle a le cœur trop plein ». Tout le bel art, tout le grand art appartient à cette sphère : l’essence de l’un comme de l’autre est la gratitude. D’autre part, on ne saurait en retrancher une répugnance instinctive envers les décadents, une raillerie, voire une horreur devant leur symbolique : pareille chose constitue presque sa preuve. Le noble Romain ressentait le christianisme comme foeda superstitio : je rappelle ici ce que le dernier Allemand de goût noble, Goethe, éprouvait devant la croix. On chercherait en vain des antagonismes plus précieux, plus nécessaires…*) Mais une fausseté comme celle des gens de Bayreuth ne constitue aujourd’hui aucune exception. Nous connaissons tous le concept inesthétique du hobereau chrétien. Cette innocence entre les contraires, cette « bonne conscience » dans le mensonge, est bien plutôt moderne par excellence ; elle définit presque la modernité. L’homme moderne représente, biologiquement, une contradiction des valeurs ; il est assis entre deux chaises, il dit oui et non d’un seul souffle. Quoi d’étonnant si, précisément à notre époque, la fausseté elle-même s’est faite chair et même génie ? si Wagner « a habité parmi nous » ? Ce n’est pas sans raison que j’ai appelé Wagner le Cagliostro de la modernité… Mais nous avons tous, contre notre savoir, contre notre volonté, dans le corps des valeurs, des mots, des formules, des morales d’origines opposées ; nous sommes, physiologiquement considérés, faux… Un diagnostic de l’âme moderne, par où commencerait-il ? Par une incision résolue dans cette contradiction des instincts, par la séparation de ses valeurs antagonistes, par la vivisection pratiquée sur son cas le plus instructif. Le cas Wagner est pour le philosophe une heureuse trouvaille ; cet écrit, on l’entend, est inspiré par la gratitude…
Concepts in this passage
Eternal recurrence
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Family
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Genealogy of values
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Messiah
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Mode
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Modern cognitive behavioral therapy
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Perspectival inquiry
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Psychic symbol
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Ressentiment
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Self-overcoming
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