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Friedrich Nietzsche
Thus Spoke Zarathustra I Block b0022
Block 22 of 34
Canonical reference b0022
German
Von den Fliegen des Marktes. Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit! Ich sehe dich betäubt vom Lärme der grossen Männer und zerstochen von den Stacheln der kleinen. Würdig wissen Wald und Fels mit dir zu schweigen. Gleiche wieder dem Baume, den du liebst, dem breitästigen: still und aufhorchend hängt er über dem Meere. Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der grossen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen. In der Welt taugen die besten Dinge noch Nichts, ohne Einen, der sie erst aufführt: grosse Männer heisst das Volk diese Aufführer. Wenig begreift das Volk das Grosse, das ist: das Schaffende. Aber Sinne hat es für alle Aufführer und Schauspieler grosser Sachen. Um die Erfinder von neuen Werthen dreht sich die Welt: - unsichtbar dreht sie sich. Doch um die Schauspieler dreht sich das Volk und der Ruhm: so ist es der Welt Lauf. Geist hat der Schauspieler, doch wenig Gewissen des Geistes. Er glaubt immer an Das, womit er am stärksten glauben macht, - glauben an sich macht! Morgen hat er einen neuen Glauben und übermorgen einen neueren. Rasche Sinne hat er, gleich dem Volke, und veränderliche Witterungen. Umwerfen - das heisst ihm: beweisen. Toll machen - das heisst ihm: überzeugen. Und Blut gilt ihm als aller Gründe bester. Eine Wahrheit, die nur in feine Ohren schlüpft, nennt er Lüge und Nichts. Wahrlich, er glaubt nur an Götter, die grossen Lärm in der Welt machen! Voll von feierlichen Possenreissern ist der Markt - und das Volk rühmt sich seiner grossen Männer! das sind ihm die Herrn der Stunde. Aber die Stunde drängt sie: so drängen sie dich. Und auch von dir wollen sie Ja oder Nein. Wehe, du willst zwischen Für und Wider deinen Stuhl setzen? Dieser Unbedingten und Drängenden halber sei ohne Eifersucht, du Liebhaber der Wahrheit! Niemals noch hängte sich die Wahrheit an den Arm eines Unbedingten. Dieser Plötzlichen halber gehe zurück in deine Sicherheit: nur auf dem Markt wird man mit Ja? oder Nein? überfallen. Langsam ist das Erleben allen tiefen Brunnen: lange müssen sie warten, bis sie wissen, was in ihre Tiefe fiel. Abseits vom Markte und Ruhme begiebt sich alles Grosse: abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werthe. Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit: ich sehe dich von giftigen Fliegen zerstochen. Fliehe dorthin, wo rauhe, starke Luft weht! Fliehe in deine Einsamkeit! Du lebtest den Kleinen und Erbärmlichen zu nahe. Fliehe vor ihrer unsichtbaren Rache! Gegen dich sind sie Nichts als Rache. Hebe nicht mehr den Arm gegen sie! Unzählbar sind sie, und es ist nicht dein Loos, Fliegenwedel zu sein. Unzählbar sind diese Kleinen und Erbärmlichen; und manchem stolzen Baue gereichten schon Regentropfen und Unkraut zum Untergange. Du bist kein Stein, aber schon wurdest du hohl von vielen Tropfen. Zerbrechen und zerbersten wirst du mir noch von vielen Tropfen. Ermüdet sehe ich dich durch giftige Fliegen, blutig geritzt sehe ich dich an hundert Stellen; und dein Stolz will nicht einmal zürnen. Blut möchten sie von dir in aller Unschuld, Blut begehren ihre blutlosen Seelen - und sie stechen daher in aller Unschuld. Aber, du Tiefer, du leidest zu tief auch an kleinen Wunden; und ehe du dich noch geheilt hast, kroch dir der gleiche Giftwurm über die Hand. Zu stolz bist du mir dafür, diese Naschhaften zu tödten. Hüte dich aber, dass es nicht dein Verhängniss werde, all ihr giftiges Unrecht zu tragen! Sie summen um dich auch mit ihrem Lobe: Zudringlichkeit ist ihr Loben. Sie wollen die Nähe deiner Haut und deines Blutes. Sie schmeicheln dir wie einem Gotte oder Teufel; sie winseln vor dir wie vor einem Gotte oder Teufel. Was macht es! Schmeichler sind es und Winsler und nicht mehr. Auch geben sie sich dir oft als Liebenswürdige. Aber das war immer die Klugheit der Feigen. Ja, die Feigen sind klug! Sie denken viel über dich mit ihrer engen Seele, - bedenklich bist du ihnen stets! Alles, was viel bedacht wird, wird bedenklich. Sie bestrafen dich für alle deine Tugenden. Sie verzeihen dir von Grund aus nur - deine Fehlgriffe. Weil du milde bist und gerechten Sinnes, sagst du: „unschuldig sind sie an ihrem kleinen Dasein.“ Aber ihre enge Seele denkt: „Schuld ist alles grosse Dasein.“ Auch wenn du ihnen milde bist, fühlen sie sich noch von dir verachtet; und sie geben dir deine Wohlthat zurück mit versteckten Wehthaten. Dein wortloser Stolz geht immer wider ihren Geschmack; sie frohlocken, wenn du einmal bescheiden genug bist, eitel zu sein. Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch. Also hüte dich vor den Kleinen! Vor dir fühlen sie sich klein, und ihre Niedrigkeit glimmt und glüht gegen dich in unsichtbarer Rache. Merktest du nicht, wie oft sie stumm wurden, wenn du zu ihnen tratest, und wie ihre Kraft von ihnen gieng wie der Rauch von einem erlöschenden Feuer? Ja, mein Freund, das böse Gewissen bist du deinen Nächsten: denn sie sind deiner unwerth. Also hassen sie dich und möchten gerne an deinem Blute saugen. Deine Nächsten werden immer giftige Fliegen sein; Das, was gross an dir ist, - das selber muss sie giftiger machen und immer fliegenhafter. Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit und dorthin, wo eine rauhe, starke Luft weht. Nicht ist es dein Loos, Fliegenwedel zu sein. - Also sprach Zarathustra. * * *
English AI-generated translation, non-official
Codex gpt-5.6-sol · Non-official working translation · 2026-09-13
On the Flies of the Marketplace. Flee, my friend, into your solitude! I see you deafened by the noise of the great men and stung by the barbs of the little ones. Forest and rock know how to keep a dignified silence with you. Be once more like the tree you love, the broad-branched one: silent and listening, it hangs over the sea. Where solitude ends, there the marketplace begins; and where the marketplace begins, there also begin the noise of the great actors and the buzzing of the poisonous flies. In the world, the best things are worth nothing without someone who first performs them: the people call these performers great men. The people have little understanding of the great, that is, of the creative. But they have a sense for all performers and actors of great affairs. The world revolves around the inventors of new values: invisibly it revolves. But the people and fame revolve around the actors: such is the course of the world. The actor has spirit, but little conscience of the spirit. He always believes in that with which he inspires the strongest belief, belief in himself! Tomorrow he has a new belief, and the day after tomorrow a newer one. He has quick senses, like the people, and changeable moods. To overthrow means to him: to prove. To drive mad means to him: to convince. And blood counts for him as the best of all arguments. A truth that slips only into delicate ears he calls a lie and nothing. Truly, he believes only in gods who make a great noise in the world! The marketplace is full of solemn buffoons, and the people boast of their great men! To them, these are the lords of the hour. But the hour presses them, so they press you. And from you too they want yes or no. Woe, do you wish to place your chair between for and against? On account of these unconditional and importunate ones, be without jealousy, you lover of truth! Never yet has truth hung upon the arm of an unconditional man. On account of these sudden ones, return to your security: only in the marketplace is one assailed with “Yes?” or “No?” The experience of all deep wells is slow: they must wait a long time before they know what fell into their depths. Away from the marketplace and fame, everything great comes to pass: away from the marketplace and fame have the inventors of new values always dwelt. Flee, my friend, into your solitude: I see you stung by poisonous flies. Flee to where a rough, strong wind blows! Flee into your solitude! You lived too near the small and pitiful. Flee from their invisible revenge! Against you they are nothing but revenge. Raise your arm against them no longer! They are innumerable, and it is not your lot to be a flyswatter. Innumerable are these small and pitiful ones; and raindrops and weeds have already brought many a proud structure to ruin. You are no stone, but already you have been hollowed out by many drops. You will yet break and burst apart from many drops. I see you wearied by poisonous flies; I see you scratched bloody in a hundred places, and your pride does not even wish to grow angry. They would have blood from you in all innocence; their bloodless souls crave blood, and therefore they sting in all innocence. But you, profound one, suffer too profoundly even from small wounds; and before you had healed yourself, the same poisonous worm crawled across your hand. You are too proud, it seems to me, to kill these greedy nibblers. But beware lest it become your doom to bear all their poisonous injustice! They also buzz around you with their praise: importunity is their praising. They want the nearness of your skin and your blood. They flatter you as they would a god or devil; they whimper before you as before a god or devil. What does it matter! Flatterers and whimperers they are, and nothing more. They also often present themselves to you as amiable. But that was always the prudence of cowards. Yes, cowards are prudent! They think much about you with their narrow souls; you always make them uneasy! Everything that is much thought over becomes dubious. They punish you for all your virtues. At heart, they forgive you only your mistakes. Because you are mild and just-minded, you say: “They are innocent of their petty existence.” But their narrow soul thinks: “Every great existence is guilty.” Even when you are mild toward them, they still feel despised by you; and they repay your benefaction with concealed afflictions. Your wordless pride is always contrary to their taste; they rejoice if you are once modest enough to be vain. What we recognize in a person, we also kindle in him. So beware of the little ones! Before you they feel small, and their baseness smolders and glows against you in invisible revenge. Did you not notice how often they fell silent when you approached them, and how their strength left them like smoke from a dying fire? Yes, my friend, you are a bad conscience to your neighbors, for they are unworthy of you. Therefore they hate you and would gladly suck your blood. Your neighbors will always be poisonous flies; that which is great in you must itself make them more poisonous and ever more flylike. Flee, my friend, into your solitude and to where a rough, strong wind blows. It is not your lot to be a flyswatter. Thus spoke Zarathustra. * * *
French AI-generated translation, non-official
Codex gpt-5.6-sol · Non-official working translation · 2026-09-13
Des mouches de la place publique. Fuis, mon ami, dans ta solitude ! Je te vois étourdi par le vacarme des grands hommes et transpercé par les aiguillons des petits. La forêt et le rocher savent dignement se taire avec toi. Ressemble de nouveau à l’arbre que tu aimes, celui aux larges branches : silencieux et aux aguets, il se penche au-dessus de la mer. Là où cesse la solitude commence la place publique ; et là où commence la place publique commencent aussi le vacarme des grands comédiens et le bourdonnement des mouches venimeuses. Dans le monde, les meilleures choses ne valent encore rien sans quelqu’un qui commence par les mettre en scène : le peuple appelle grands hommes ces metteurs en scène. Le peuple comprend peu ce qui est grand, c’est-à-dire ce qui crée. Mais il a des sens pour tous ceux qui mettent en scène et jouent les grandes causes. Le monde tourne autour des inventeurs de nouvelles valeurs : invisiblement, il tourne. Mais le peuple et la gloire tournent autour des comédiens : tel est le cours du monde. Le comédien a de l’esprit, mais peu de conscience de l’esprit. Il croit toujours à ce qu’il emploie pour faire croire avec le plus de force, pour faire croire en lui ! Demain, il aura une nouvelle croyance, et après-demain une plus nouvelle encore. Il a des sens rapides, comme le peuple, et des humeurs changeantes. Renverser, cela signifie pour lui : démontrer. Rendre fou, cela signifie pour lui : convaincre. Et le sang vaut à ses yeux comme le meilleur de tous les arguments. Une vérité qui ne se glisse que dans les oreilles délicates, il l’appelle mensonge et néant. En vérité, il ne croit qu’aux dieux qui font grand bruit dans le monde ! La place publique est pleine de bouffons solennels, et le peuple se glorifie de ses grands hommes ! Ils sont pour lui les maîtres de l’heure. Mais l’heure les presse : alors ils te pressent aussi. Et de toi aussi, ils veulent un oui ou un non. Malheur à toi, veux-tu placer ta chaise entre le pour et le contre ? Ne sois pas jaloux de ces hommes inconditionnels et pressants, toi qui aimes la vérité ! Jamais encore la vérité ne s’est pendue au bras d’un homme inconditionnel. À cause de ces hommes soudains, retourne dans ton refuge : ce n’est que sur la place publique que l’on est assailli par la question « Oui ou non ? » L’expérience de tous les puits profonds est lente : ils doivent attendre longtemps avant de savoir ce qui est tombé dans leurs profondeurs. Tout ce qui est grand se produit loin de la place publique et de la gloire : de tout temps, les inventeurs de nouvelles valeurs ont vécu loin de la place publique et de la gloire. Fuis, mon ami, dans ta solitude : je te vois transpercé par les mouches venimeuses. Fuis là où souffle un air rude et fort ! Fuis dans ta solitude ! Tu as vécu trop près des petits et des misérables. Fuis leur vengeance invisible ! Contre toi, ils ne sont rien que vengeance. Ne lève plus le bras contre eux ! Ils sont innombrables, et ton destin n’est pas d’être un chasse-mouches. Ils sont innombrables, ces petits et ces misérables ; et les gouttes de pluie et les mauvaises herbes ont déjà causé la perte de plus d’un fier édifice. Tu n’es pas une pierre, mais déjà de nombreuses gouttes t’ont creusé. Tu finiras par te briser et éclater sous de nombreuses gouttes. Je te vois épuisé par les mouches venimeuses, je te vois égratigné jusqu’au sang en cent endroits ; et ta fierté ne veut même pas se mettre en colère. Elles voudraient de ton sang en toute innocence, leurs âmes exsangues convoitent le sang, et c’est pourquoi elles piquent en toute innocence. Mais toi, homme profond, tu souffres trop profondément même de petites blessures ; et avant même que tu ne sois guéri, le même ver venimeux t’a rampé sur la main. Tu es trop fier, à mes yeux, pour tuer ces gourmandes. Mais prends garde que ce ne soit ton destin de porter toute leur injustice venimeuse ! Elles bourdonnent aussi autour de toi avec leur louange : leur louange est importunité. Elles veulent la proximité de ta peau et de ton sang. Elles te flattent comme un dieu ou un diable ; elles geignent devant toi comme devant un dieu ou un diable. Qu’importe ! Ce sont des flatteurs et des geignards, rien de plus. Souvent aussi, elles se présentent à toi comme des êtres aimables. Mais telle fut toujours l’habileté des lâches. Oui, les lâches sont habiles ! Avec leur âme étroite, ils pensent beaucoup à toi : tu leur sembles toujours inquiétant ! Tout ce à quoi l’on pense beaucoup devient inquiétant. Ils te punissent pour toutes tes vertus. Ils ne te pardonnent du fond du cœur que tes faux pas. Parce que tu es doux et d’un esprit juste, tu dis : « Ils sont innocents de leur petite existence. » Mais leur âme étroite pense : « Toute grande existence est coupable. » Même lorsque tu es doux avec eux, ils se sentent encore méprisés par toi ; et ils te rendent ton bienfait par de secrètes malfaisances. Ta fierté sans paroles contrarie toujours leur goût ; ils exultent si, pour une fois, tu es assez modeste pour être vaniteux. Ce que nous reconnaissons chez un homme, nous l’attisons aussi en lui. Garde-toi donc des petits ! Devant toi, ils se sentent petits, et leur bassesse couve et rougeoie contre toi dans une vengeance invisible. N’as-tu pas remarqué combien de fois ils se taisaient lorsque tu t’approchais d’eux, et comment leur force les quittait comme la fumée d’un feu qui s’éteint ? Oui, mon ami, tu es la mauvaise conscience de tes prochains : car ils sont indignes de toi. C’est pourquoi ils te haïssent et voudraient bien sucer ton sang. Tes prochains seront toujours des mouches venimeuses ; ce qui est grand en toi doit précisément les rendre plus venimeux et toujours davantage semblables à des mouches. Fuis, mon ami, dans ta solitude et là où souffle un air rude et fort. Ton destin n’est pas d’être un chasse-mouches. Ainsi parlait Zarathoustra. * * *
Concepts in this passage
Eternal recurrence
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Genealogy of values
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Perspectival inquiry
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Ressentiment
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Self-overcoming
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Sin
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War and peace
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